Hier finden Sie den ausführlichen aktuellen Geschäftsbericht 2024 der Mindful Change Foundation inklusive finanziellem Bericht als pdf-Datei.
Überblick
Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag auch in diesem Jahr bei Projekten in der Elfenbeinküste und in Burkina Faso. Hinzugekommen ist ein Projekt in Kamerun sowie ein Projekt auf der Insel Flores in Indonesien. Wir sind sehr gespannt wie sich die neuen Projekte in Kamerun und Indonesien entwickeln. Für uns bedeutet das, weitere konkrete Erfahrungen über die Situation psychisch kranker Menschen in anderen Ländern zu bekommen, mitzuerleben, welche Hilfsmöglichkeiten und auch welche Schwierigkeiten es dort gibt. Möglicherweise können sich auch die Mitarbeiter der verschiedenen Projekte im Rahmen von MCF über ihre Erfahrungen und Pläne austauschen. Wir möchten weiter sinnvolle und Erfolgversprechende Projekte auf verschiedene Weise unterstützen, die sich dann mit unserer Hilfe und evtl. der Hilfe anderer Organisationen zu Modellprojekten entwickeln können. Eine umfassendere Versorgung in einem Land streben wir nicht an, aber wir möchten daran mitwirken, dass die Aufmerksamkeit auf diese schwerwiegenden Probleme gelenkt wird und Lösungen deutlicher werden.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Gründung eines Beirats.
Wir berichten im Folgenden über die einzelnen Projekte:
1. Elfenbeinküste: Samentacom & Camppsy
2. Burkina Faso: Yenfaabima
3. Kamerun: Hand on Heart Cameroon
4. Flores, Indonesien: Kelompok Kasik Insanis & Jiwa Merdeka
5. Die Gründung eines Beirats.
1. Elfenbeinküste
Unser Basisprojekt war 2024 weiterhin das SAMENTACOM-Projekt (Santé Mentale Communautaire), das die ambulante Versorgung der Patient*innen mit schweren psychischen Erkrankungen und mit Epilepsie in der ländlichen Region rund um Bouaké zum Ziel hat. Es erfolgt in Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation Mindful Change Foundation — Cote d’Ivoire (MCF-CI), einer ivorischen NGO, die mit der Universität in Bouaké und dem Nationalen Programm für Psychiatrie kooperiert. Es hat den Charakter eines Modellprojekts, mit dem gezeigt werden soll, dass und wie eine solche Versorgung zu erschwinglichen Kosten organisiert werden kann. Zentral für das Konzept ist die ambulante und aufsuchende gemeindepsychiatrische Arbeit in Kooperation mit den bereits existierenden Gesundheitsstationen, die bisher für die Diagnostik und Behandlung psychischer Krankheiten nicht gerüstet waren. Daher werden Krankenpfleger:innen und andere Helfer:innen in den Gesundheitsstationen auf dem Land entsprechend ausgebildet. Der Leiter des Programms, Prof. Koua, wurde 2023 zum Leiter der Abteilung für psychische Gesundheit im Gesundheitsministerium der Elfenbeinküste ernannt.
Gut entwickelt hat sich auch das Projekt CAMPPSY unserer Partner-Organisation MCF-CI, das wir seit 2023 mit Unterstützung der Schmitz-Stiftung finanzieren. Der Großteil der psychisch kranken Menschen in der Elfenbeinküste lebt in sogenannten Gebetscamps. Aufgrund des Glaubens, dass psychische Krankheiten und Epilepsie durch böse Geisterverursacht sind, wird dort nicht nur für sie gebetet, sondern sie können auch Fastenkuren und Schlägen ausgesetzt werden, um die bösen Geister zu vertreiben. Nicht wenige werden angekettet, und dies über Jahre. Ziel des Projekts ist es, die Kranken in diesen Camps zu erreichen und eine Kooperation mit den Leitern der Camps zu institutionalisieren. Auch bei diesem Projekt handelte es sich um ein Modellprojekt, bei dem 80–100 Patientinnen in 10 Camps behandelt wurden. Zu Beginn waren 21 Patientinnen angekettet. Nach drei Monaten Laufzeit war es möglich, alle von den Ketten zu befreien und nach 6 Monaten war über die Hälfte der Patient*innen nach Hause entlassen.
Als Michael Huppertz und Mania Kroll im Frühjahr 2024 einige dieser Camps besuchten, begegneten sie einer bewegenden Dankbarkeit von Patient*innen, Angehörigen, Mitarbeitern des Projekts und sogar von den Leitern der Camps, die die guten Verläufe teilweise so erklärten, dass durch die Medikamente ihre Gebete eine größere Wirkung erzielen.
Das Team in der Elfenbeinküste plant mit unserer Unterstützung, die Zusammenarbeit mit den Prayer Camps fortzuführen, und zwar als integrierten Bestandteil des übergeordneten Modellprojekts Samentacom. Die Planung dazu hat uns während des ganzen Jahres 2024 beschäftigt und ist derzeit (Stand Juli 2025) immer noch nicht abgeschlossen. Die Versorgung der schwer psychisch und epileptisch erkrankten Patient*innen wird in 7 Centres de Santé fortgesetzt und weiterhin regelmäßig supervidiert. Aber wir haben es bisher (Stand Juli 2025) nicht geschafft, die Camps de Prière in ausreichendem Maße in die Arbeit von Samentacom zu integrieren. Dabei spielen weniger finanzielle als personelle Probleme auf ivorischer Seite eine Rolle. Der Wechsel von Professor Koua auf die politische Ebene ist ein Gewinn für die Elfenbeinküste, aber ein Verlust für MCF-CI und MCF. Wenn wir die Arbeit von Samentacom mit Integration der Camps de Prière im Umfange von 2023 fortsetzen wollen, brauchen wir vor allem eine therapeutische Leitung und einen neuen Antrag zur Kooperation mit einer weiteren Stiftung wie z. B. den Schmitz-Stiftungen, mit denen wir auch 2023 zusammengearbeitet haben. Wir versuchen weiterhin, dies zu organisieren und unterstützen bis dahin wie in den Vorjahren die Arbeit von Samentacom.
2. Burkina Faso
In Burkina Faso unterstützen wir weiterhin das Projekt „Yenfaabima“ in Piéla. Es handelt sich um ein von Pfarrer Tankpari Guitanga initiiertes ambulantes Behandlungszentrum für psychisch kranke Menschen und Menschen mit Epilepsie. Wir beteiligen uns an der Finanzierung des Gehalts von Timothée Tindano, dem psychiatrischen Fachkrankenpfleger, und an der Finanzierung von Medikamenten für die Patient*innen, denen das Geld für die Bezahlung von Medikamenten fehlt. Die Sicherheitslage rund um Piéla hat sich 2024 weiter verschlechtert. Terroristische Überfälle auf die umliegenden Dörfer haben dazu geführt, dass viele Menschen in die Stadt geflüchtet sind. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist ein erhebliches Problem. Eine aufsuchende psychiatrische Arbeit ist unter diesen Bedingungen nur eingeschränkt möglich und mit Gefahren verbunden. Ein agent de santé ist auf dem Weg zu Patientinnen, drei Patientinnen sind in ihren Dörfern ermordet worden. Die psychiatrische Arbeit des Projekts besteht derzeit in der ambulanten Versorgung von ca. 100 Patientinnen im Monat, einigen Hausbesuchen durch die agents de santé und durch Pfarrer Guitanga, der Aufnahme einiger Patient*innen im Zentrum von Yenfaabima zu stationären Kriseninterventionen und öffentlichen Veranstaltungen zur Aufklärung über schwere psychische Erkrankungen und Epilepsie. Wir setzen unsere Unterstützung unverändert fort und hoffen, dass sich die Situation bessert und die psychiatrische Arbeit intensiviert werden kann.
3. Kamerun
In Kamerun unterstützen wir seit diesem Jahr die gemeinnützige Organisation „Hand on Heart Cameroon“ (HoH), die sich die Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung zur Aufgabe gemacht hat. Die Organisation wurde von Sandrine Tchouamou Magwa gegründet, inspiriert durch deren persönliche Erfahrungen mit den Herausforderungen der psychischen Gesundheit in ihrer Familie. Zu den Hauptaktivitäten von HoH gehören die Durchführung von Bildungskampagnen, um die Öffentlichkeit über psychische Gesundheit und Wohlbefinden zu informieren, und die Organisation von Veranstaltungen wie dem Weltgesundheitstag, um die Gemeinschaft zu sensibilisieren. Darüber hinaus arbeitet HoH daran, Anlaufstellen für Menschen einzurichten, die psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlungen benötigen, und den Zugang zu erschwinglicher psychischer Gesundheitsversorgung zu verbessern, einschließlich Beratung und Medikation. In Kollaboration der Mindful Change Foundation etabliert HoH in Mfou, einem ländlichen Bezirk in Kamerun südöstlich der Hauptstadt Yaoundé, bis Ende 2024 ein sechsmonatiges Pilotprojekt. Mit einem finanziellen Volumen von insgesamt 11.500 Euro zielte dieses Projekt darauf ab, das dortige öffentliche Distriktkrankenhaus um eine Anlaufstelle für psychisch kranke Menschen zu erweitern. Sie dient nicht nur der direkten Patientenversorgung, sondern auch als Schulungszentrum für das lokale Gesundheitspersonal und als Basis für Aufklärungskampagnen in den umliegenden Dörfern. Dabei hat sich jedoch herausgestellt, dass der Chef des Krankenhauses zu einer Zusammenarbeit nicht wirklich bereit war, so dass dieses Ziel nicht erreicht wurde. Ein neuer Ort für das Zentrum wird gesucht (Stand Juli 2025) und Beziehungen zu anderen Krankenhäusern werden 2025 ausgebaut.
Vor dem Hintergrund der Ziele von MCF sollen die auf dem Land in der Nähe von Youndé (der Hauptstadt) vorhandenen Ressourcen an psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten verbessern werden. Es soll die Schulung von Krankenpfleger:innen in einigen Centres de santé und deren Supervision organisiert werden, so dass psychisch kranke Menschen behandelt werdem? Darüber hinaus sollen weitere Agents de santé ausgebildet werden, die die Patient*innen in den Dörfern finden und aufsuchen. Für diese Arbeit sollen auch Psychiater*innen gewonnen werden, die in der Nähe aktiv sind. Angesichts der Breite der Aufgaben und Tätigkeiten von HoH, zu denen auch psychologische Schulungen gehören, wird angeregt, die Tätigkeiten in dem Sinne zu modularisieren, dass ersichtlich ist, was davon im Sinne der Ziele von MCF finanziert werden kann. Dazu gehört an erster Stelle die Verbesserung der psychiatrischen Versorgung, aber auch Aufklärungs- und Antistigmatisierungskampagnen in Bezug auf schwere psychische Erkrankungen.
4. Flores (Indonesien)
Seit dem Sommer 2024 unterstützen wir ein Projekt auf der Insel Flores in Indonesien. Auf Flores befinden sich Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Familien aufgrund weit verbreiteter Stigmatisierung und begrenztem Zugang zu psychiatrischer Gesundheitsversorgung in einer schwierigen Lage. Die Insel ist Heimat von rund zwei Millionen Menschen. Die psychiatrische Versorgung konzentriert sich überwiegend auf größere Städte, während sie in ländlichen Gebieten kaum vorhanden ist. 2024 arbeiten in zwei Städten drei Psychiater, die nächsten psychiatrischen Krankenhäuser befinden sich erst auf den Nachbarinseln (Bali oder Westtimor). In Indonesien wird das Fesseln von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder das Einsperren in enge Räume als „Pasung“ bezeichnet. Besonders gravierend ist das Fesselnder Unterschenkel in Baumstämmen, sodass die Patient*innen sich nicht einmal drehen können. Dies kann über Jahre geschehen. Es geschieht aufgrund mangelnder Alternativen, des Drucks aus Familie und Gesellschaft sowie der verbreiteten Annahme, dass die unverständlichen Verhaltensweisen durch dämonische Einflüsse verursacht werden. Trotz des dringenden Bedarfs investiert die indonesische Regierung weniger als 1 % ihres Gesundheitsbudgets in den Bereich der psychischen Gesundheit. Die Situation psychisch kranker Menschen in Indonesien wird seit Jahren auch international angeprangert (z. B. durch Human Rights Watch). Diese Öffentlichkeitsarbeit hat bereits zu Verbesserungen geführt.
Wir unterstützen in Indonesien vor allem die Laiengruppe Kelompok Kasih Insanis (KKI: „Gruppe aktiver Nächstenliebe“), die 2016 von Pater Avent Saur gegründet wurde. Die KKI ist mit einem Expertenteam in Jakarta vernetzt, das sich Jiwa Merdeka („freie Seele“) nennt und 2018 in Jakarta gegründet wurde. Es besteht aus Psychiater:innen, Psycholog:innen, Fachkrankenschwestern und kümmert sich vor allem um die Notpsychisch kranker Menschen und ihren Angehörigen in Ostindonesien. Sr. Dr. Anke Böckenfoerde, eine Psychiaterin aus Deutschland, hat mehrere Jahre in diesem Team und mit der Laiengruppe KKI gearbeitet. Sie ist seit 2024 Mitglied des Beirats von MCF. Die Aktivitäten von KKI und Jiwa Merdeka bestehen vor allem in Besuchen der Patientinnen und ihrer Familien, der Ermöglichung einer Behandlung und der Reintegration und vorbeugenden Behandlungen von Patientinnen, die aus Pasung befreit sind. Es werden auch Webinare und Veranstaltungen vor Ort für Familien, lokale Gesundheitsbehörden, Sozialbehörden, Volksvertreter, Polizei, Oberstufenschüler*innen, Lehrer*innen u. a. veranstaltet. Wir unterstützen die Arbeit von KKI seit dem Sommer 2024.
5. Gründung eines Beirats
Der Beirat hat die Beratung und Unterstützung des Vorstands zur Aufgabe. So verfügen wir über mehr Kompetenz, für einzelne Projekte, bei komplexen technischen Herausforderungen, aber auch für die Ausrichtung der Stiftung. Wir sind den sechs Mitgliedern des Beirats sehr dankbar für ihre Bereitschaft, bei uns mitzuarbeiten und freuen uns auf diese Zusammenarbeit, die gerade beginnt. Hier die Zusammensetzung des Beirats:
Dr. med. Anke Boeckenfoerde Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Missionsärztliche Schwester
Prof. Dr. Johannes Fischer Professor emeritus für Theologische Ethik
Dr. med. Jürg Skalsky Facharzt für Allgemeine und Innere Medizin Facharzt für Tropen- und Reisemedizin
Am 13.01.2025 ist ein Artikel unseres 1. Vorstandes Michael Huppertz zur Kritik an der Global Mental Health Bewegung erschienen (open access).
Huppertz M. (2025). A response to criticism of the global mental health movement. How polarization can be overcome in theory and in west African social psychiatric practice. Global mental health (Cambridge, England), 11, e135.
Er handelt von der vehementen Kritik an der Ausweitung der “westlichen” Psychiatrie in den Globalen Süden, dem Vorwurf des Kolonialismus, vom Nutzen des medizinischen Modells, dem Dialog zwischen Kulturen und ähnlichen Unterthemen, stellt aber auch unser Projekt in der Elfenbeinküste vor. Er versucht, aus der Kontroverse eine konstruktive pluralistische Sichtweise zu entwickeln.
Timothée Tindando, dessen Arbeit als Pfleger MCF mitfinanziert, schickt MCF monatliche Berichte über die Zahl und die Diagnosen der behandelten Patient:innen mit einem anschließenden Kommentar zu den Schwierigkeiten und Erfolgen.
Hier finden Sie die aktuellen Fallberichte als pdf-Datei mit Fotos zum Download und auf der Yenfaabima Website mehr zur aktuellen Arbeit in Piéla.
Zwei Kommentare von Juli und August 2024
„Im Laufe des Monats Juli gab es viele Sorgen für unsere Freiwilligen, die sich in den von Terroristen heimgesuchten Gebieten aufhalten, und vor allem für unsere Kranken, die sowohl um ihr Überleben als auch um die Fortsetzung der Besuche in Yenfaabima kämpfen, da die Zugangswege fast unpassierbar sind. Wir bedauern, dass die Terroristen in diesem Zusammenhang drei unserer Kranken ermordet haben. Die Handys unserer Helfer sind größtenteils unbrauchbar. In einigen Gebieten, die als zu gefährlich eingestuft wurden, haben wir die Nutzung der von MCF erworbenen Motorräder vorübergehend ausgesetzt, um ihre Sicherheit zu gewährleisten und auf eine bessere Situation zu warten, um sie wieder für Hausbesuche einsetzen zu können. Wir haben auch Aufklärungsfahrten zu Kirchen durchgeführt.“
„Abgesehen von der Hungersnot im Monat August, die viele unserer Patienten aufgrund des aktuellen Sicherheitsproblems verspüren, haben wir keine großen Sorgen. Es gelingt uns, die Behandlung der Kranken mit Medikamenten fortzusetzen, insbesondere mit Neuroleptika, die größtenteils vor Ort in Piéla in einer Privatapotheke erhältlich sind. Unser Zentrum ist gut gesichert, da wir von einer ständigen Bewachung der Gemeinde durch die Ordnungskräfte profitieren, die mehr als 800 m hinter Yenfaabima stationiert sind.”
Fallbeispiele
Darüber hinaus lassen uns die Mitarbeiter:innen anhand von Fallberichten an der Arbeit von Yenfaabima teilhaben.
Leider mussten wir auch erfahren, dass drei Patienten von Yenfaabima von Terroristen getötet wurden, wie auch ein Mitarbeiter, als er einen Patienten aufsuchen wollte.
Februar 2024
Frau L M wurde von einem Freiwilligen in ihrer Wohnung in Piéla besucht. Die Patientin hatte sich nach ihrem letzten Besuch in Yenfaabima vor vier Monaten geweigert, zu einem weiteren Termin zu kommen. Ihre Mutter kam zu uns und bat uns, bei ihr vorbeizukommen, um sie zu überzeugen, ihre Behandlung fortzusetzen. Der Freiwillige stellte fest, dass es der Patientin physisch und psychisch nicht gut ging, da sie körperlich abgenommen hatte und psychisch auffällig war. Sie redete sehr viel und sprach Beleidigungen aus, alles in zusammenhanglosen Worten. Der Freiwillige überzeugte die Eltern, dass die Patientin aufgrund ihres Allgemeinzustandes zunächst im medizinischen Zentrum mit chirurgischer Zweigstelle in Piéla untersucht werden müsse, bevor sie zur psychiatrischen Behandlung nach Yenfaabima kommen sollte. Zwei Tage später wurde sie in das Krankenhaus eingewiesen. Die Diagnose lautete Typhus und Malaria. Während ihres Krankenhausaufenthalts wurde der Pfleger von Yenfaabima in das medizinische Zentrum gerufen, um die Patientin psychiatrisch zu untersuchen. Die Patientin wurde gut behandelt und nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt entlassen.
März 2024
MRLD wohnt in Darongou. Er wurde am 16. März 2024 von einem Team unter der Leitung des Gesundheitshelfers besucht. LD wurde vor ca. 2 Jahren in Yenfaabima wegen paranoider Schizophrenie behandelt. Seit über 6 Monaten ist er nicht mehr gekommen. Dies führte zu diesem Besuch, der ursprünglich in seinem Haus geplant war, aber zur allgemeinen Überraschung war der Patient zum Zeitpunkt des Besuchs in seinem Garten, etwa einen Kilometer von seinem Haus entfernt. Sein älterer Bruder erzählte uns, dass er sich oft seltsam verhalte, was ihn aber nicht daran hindere, seine Tätigkeiten, insbesondere die Gartenarbeit, zu verrichten. Der Gesundheitshelfer riet ihm, wieder zu Konsultationen nach Yenfaabima zu kommen, was der Patient und seine ganze Familie akzeptierten. In seinem Garten wuchsen Mais, Zwiebeln und Tomaten.
April 2024
In Dabilgou wurde ein Hausbesuch bei einer über 70-jährigen Patientin durchgeführt. Ihr Name ist M.K. Sie wird seit mehreren Jahren wegen einer chronisch halluzinatorischen Psychose im Aufnahmezentrum Yenfaabima betreut. Bei einem Hausbesuch stellte der Gesundheitshelfer fest, dass sie lange schmutzige Fingernägel hatte und wenig Körperhygiene. Sie war psychisch nicht stabil und hatte Halluzinationen. Sie hatte ihre Medikamente seit etwa einem Monat nicht mehr eingenommen. Der Gesundheitshelfer schnitt ihre Fingernägel und reinigte sie. Ihrem Sohn wurde ein Termin gegeben, damit er die Medikamente in der Ambulanz von Yenfaabima abholt und die Behandlung wieder aufgenommen werden kann. Ihre Kinder erhielten Ratschläge bezüglich Körperpflege und Ernährung, um das körperliche Wohlbefinden der Patientin zu verbessern.
Juni 2024
L.P. ist ein Patient, der in Houarikoaga lebt. Bei ihm wurde in Yenfaabima eine Grand-Mal-Epilepsie diagnostiziert. Er hatte jedoch die Behandlung abgebrochen, da sein Antiepileptikum (Phenobarbital) zu diesem Zeitpunkt nirgends zu bekommen war, und war in ein Gebetszentrum nach Fada gegangen. Dort brach seine Symptomatik mit enormen epileptischen Anfällen vom Typ eines Status epilepticus wieder aus. Seine Eltern brachten ihn in sein Dorf zurück. Er war apathisch und bekam fast alle 10 Minuten einen Krampfanfall. Einer seiner älteren Brüder alarmierte Pastor G., der ihn zu Hause besuchte. Dieser Besuch, — so berichtete der Gesundheitshelfer — ermöglichte die Wiederherstellung einer therapeutischen Beziehung zu L.P., dem es jetzt gut geht. Der Pastor besuchte ihn zwei Wochen lang täglich zu Hause. Sein nächster Termin ist Ende August im Yenfaabima-Aufnahmezentrum.
August 2024
Eine Patientin namens K L aus Tiongopori wird seit über drei Jahren in Yenfaabima betreut und erhielt die Diagnose einer chronisch-halluzinatorischen Psychose. Einer der freiwilligen Gesundheitshelfer hat sie aufgesucht, weil sie eine psychomotorische Unruhe mit vielen Halluzinationen entwickelt hatte. Kurz zuvor hatte sie einen nahen Verwandten verloren. Es wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der Verschlechterung und dem Verlust vermutet. Pastor G. wurde um Hilfe gebeten und er brachte die Patientin noch am selben Tag nach Yenfaabima in Begleitung ihrer zwei Kinder, wo ihr geholfen werden konnte.
September 2024
G.B. hatten wir seit mehr als sieben Monaten aus den Augen verloren. Dank eines routinemäßigen Programms für unangekündigte Besuche wollte Pastor Guitanga sie aufsuchen. Er musste feststellen, dass unsere Patientin zu einem traditionellen Heiler gegangen war, in ein Dorf, das 20 km von Piéla entfernt liegt. Bei diesem Besuch erfuhr Pastor G., warum sie die Behandlung unterbrochen hatte: Ihr Sohn berichtete, dass eine falsche Vorstellung über die Ursache ihrer Krankheit der eigentliche Grund dafür sei. Ihr Vater habe gesagt, dass er die Ahnen um ihre Geburt gebeten habe; und da er den Versprechen, die er dabei gegeben habe, nicht nachgekommen sei, seien die Götter der Ahnen wütend geworden. Daher hoffte er, dass traditionelle Heiler das Problem der Krankheit seiner Tochter (unserer Patientin) lösen könnten, da diese sich — zumindest aus seiner Sicht — für die Heilung von G.B. verwenden könnten. Nach langen Verhandlungen zwischen dem Pastor, G.B.s Onkeln und dem traditionellen Heiler, sowie intensiver Aufklärung seitens Pastor Guitangas wurde diesem die Erlaubnis erteilt, die Patientin in die Ambulanz nach Yenfaabima zu bringen. Ihr Sohn setzte sich sehr für die medizinische Behandlung der Mutter ein. So konnte die Patientin noch am selben Tag in Yenfaabima behandelt werden. Sie wurde im Fahrzeug des Pastors transportiert. Der Heiler verbot uns, Aufnahmen bei ihm zu machen.
Hier finden Sie den ausführlichen aktuellen Geschäftsbericht 2023 der Mindful Change Foundation inklusive finanziellem Bericht als pdf-Datei.
Bericht über die Tätigkeit der Stiftung
Überblick
Im Jahr 2023 haben wir
- das Samentacom-Projekt in der Côte d’Ivoire und das Yenfaabima-Projekt aus Burkina Faso fortgeführt und
- die Umsetzung des 2022 geplanten Projekts „CAMPPSY“ der Zusammenarbeit mit den Gebetscamps in zwei Regionen der Côte d’Ivoire mit starker finanzieller Unterstützung der Schmitz-Stiftungen realisiert.
Wir haben in dem Geschäftsbericht von 2022 unsere grundsätzliche Ausrichtung und die beiden dauerhaHen Projekte ausführlich vorgestellt. Deshalb wollen wir diesmal vor allem über das 3. Projekt berichten, das vorrangig unsere Aufmerksamkeit beansprucht hat.
Samentacom / Côte d’Ivoire
Die Aktivitäten im Rahmen von Samentacom in der Elfenbeinküste wurden unverändert und in ähnlichem Umfang fortgesetzt: Supervision der Behandlungen in den Centres de Santé (Dispensaires), Telefonberatungen, aufsuchende Hilfe und Arbeit mit den Familien durch die Agents de santé, staGonäre Behandlungen für einzelne Patient:innen, Unterstützung von zwei Selbsthillfegruppen der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Medikamente konnten wir über Medeor liefern, leider mit zeitweiligen Enpässen (s. u. „Ausblick“). Eine besondere Rolle spielen Auplärungsveranstaltungen und Radiosendungen. Die Feier des weltweiten Tages der psychischen Gesundheit im Kulturzentrum von Brobomit zahlreichen Betroffenen, ihren Familien sowie den lokalen und regionalen Behörden. In 8 Gesundheitszentren wurden insgesamt 3936 PaGent:innen behandelt, mit den Diagnosen Psychose (52%), Depression (30 %) und Epilepsie (10%), SonsGge (8%). In diesem Jahr (2024) planen wir größere Veränderungen, weil die Zusammenarbeit mit den Gebetscamps, die in dem Sonderprojekt entwickelt wurde, ab 2025 in Samentacom integriert werden soll (s. u.).
Yenfaabima / Burkina Faso
In Burkina Faso war und ist die Situation durch die Verschlimmerung der Sicherheitslage wesentlich schwieriger. Die Arbeit von Yenfaabima war durch die kriminellen und politisch-militärischen Unruhen im Land 2023 sehr beeinträchtigt. Die Probleme sind auch in der Stadt und in der Umgebung von Piéla, dem Ort, an dem Yenfaabima arbeitet, massiv. Viele Menschen sind nach Überfällen vom Land in die Stadt geflüchtet. Psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen wurden vermehrt im Zentrum von Yenfaabima aufgenommen. Die Versorgung mit Lebensmitteln war und ist noch ein erhebliches Problem. Eine aufsuchende psychiatrische Arbeit war nur eingeschränkt möglich und mit erheblichen Gefahren verbunden. Dennoch wurde (und werden) ca. 200 Patient:innen / Monat ambulant behandelt, darüberhinaus Hausbesuche durch die Agents de santé, Notfallaufnahmen im Zentrum von Yenfaabima und öffentliche Veranstaltungen zur Aufklärung über schwere psychische Erkrankungen und Epilepsie durchgeführt.
Inzwischen liegt eine staatliche Genehmigung für Fortbildungen vor, um die sich Yenfaabima über Jahre bemüht hat. Es bleibt weiterhin ein Ziel, auch Fortbildungen und Supervsionen in den Centres de Santé durchzuführen, aber die aktuelle Situation macht eine Erweiterung der Aktivitäten fast unmöglich.
Unsere Unterstützung bestand 2023 in einer Beteiligung an der Finanzierung der Stelle von Timothée Tindano und eines Teils der benötigten Medikamente, sofern sie von den Patient:innen und ihren Familien nicht bezahlt werden können. In geringem Umfang wurden von uns auch dringend notwendige technische Hilfsmittel finanziert. Wir haben unsere Unterstützung also unverändert fortgesetzt und tun dies weiterin in der Hoffnung, dass sich die Gesamtsituation vor Ort bald bessert und die psychiatrische Arbeit intensiviert werden kann.
Camppsy / Côte d ́Ivoire
Mit Unterstützung der Schmitz-Stiftungen (https://www.schmitz-stiftungen.de) haben wir 2022 mit unserer Partner-Organisation MCF-CI ein neues Projekt in der Elfenbeinküste entwickelt. Über diese Vorarbeit, insbesondere die notwendigen Erhebungen und Expeditionen zu diesen Camps, haben wir in dem Geschäftsbericht von 2022 ebenfalls ausführlich berichtet. 2023 wurde es nun umgesetzt und finanziert. Es beinhaltete eine Kooperation mit 10 Gebetscamps in der Côte d’Ivoire. Dort wurden insgesamt 100 Patient:innen behandelt. Jedem Gebetscamp war ein Agent de Santé zugeordnet, ein Team aus Psychiatern, Krankenpfleger:innen und einer Psychologin besuchte regelmäßig die Camps und legte die Behandlung fest. Zu Beginn des Projekts Patient:innen an Bäume angekettet, die meisten über viele Jahre. Nach drei Monaten Laufzeit war es möglich, alle von den Ketten zu befreien und nach 6 Monaten war über die Hälfte der Patient:innen nach Hause entlassen. Die Durchführung des Projekts war nicht einfach: Die Transportmittel erwiesen sich als reparaturanfälliger als gedacht, die Medikamentversorgung war in einer Phase unzureichend, die Voruntersuchung waren ebenso wie Evaluation nicht so umfassend und neutral wie geplant und vor allem erwies es sich als schwierig, die Nachbehandlung zu gewährleisten. Dabei ist eine gute Nachsorge die größte Herausforderung. Um sie zu bewältigen, ist es notwendig, die Gebetscamps so auszuwählen, dass von Anfang an eine Betreuung durch die Centres de Santé möglich ist, die sich zum Einen in der Nähe befinden und die zum Zweiten über Mitarbeiter:innen verfügen, die für die Behandlung von schweren psychischen Erkrankungen und Epilepsie ausgebildet sind. Das Team von Samentacom kann sich dann auf die Supervision und Organisation konzentrieren. Wir haben sehr viel bei diesem Modellprojekt gelernt und müssen nun die richtigen Schlüsse ziehen und umsetzen.
Aber nicht nur als Versuch und als Lernerfahrung, sondern auch als unmittelbare Besserung der SituaGon der Betroffenen und ihrer Angehörigen war das Projekt ein Erfolg. Als wir im März/April 2024 einige dieser Camps besuchten, begegneten wir einer bewegenden Dankbarkeit von Patient:innen, Angehörigen, Mitarbeitern des Projekts und sogar von den Leitern der Camps, die die guten Verläufe teilweise so erklärten, dass durch die Medikamente ihre Gebete viel besser zu den Patient:innen durchdrangen. Einen ausführlichen Bericht von dieser Reise finden Sie unter „Aktuelles“ auf https://mindful-change.org/.
Auch zwei afrikanische Fernsehsender haben über das Camppsy-Projekt berichtet.
Ausblick
Das Team in der Elfenbeinküste plant mit unserer Unterstützung, die Zusammenarbeit mit den Prayer Camps fortzuführen – als integrierten Bestandteil des übergeordneten Modellprojekts „Samentacom“, das wir fortsetzen wollen. Die Planung dazu ist im Gange (Stand Oktober 2024). Wir werden dafür erneut Fördermittel von einer finanzstärkeren Organisation benantragen. Derzeit warten wir auf die Beurteilung aller Daten und Abrechnungen, die wir an die Schmitz-Stiftungen geliefert haben, denen wir zu großem Dank verpflichtet sind. Sowohl die Beantragungen als auch die Bilanzierungen sind für uns mit einem erheblichen Aufwand verbunden und alles braucht sehr viel Zeit. Deshalb wird 2024 ein Übergangsjahr, in dem bei uns allerdings wesentliche Veränderungen stattfinden, über die wir möglichst zeitnah auf unserer Homepage berichten. Wir haben die Gründung eines Beirats beschlossen und er hat sich inzwischen konstituiert. Darüberhinaus haben wir 2024 begonnen, zwei weitere Projekte, eins in Kamerun und eins in Indonesien (Insel Flores), zu unterstützen. Auch diese Projekte stellen wir auf unserer Homepage vor. Die Grundidee ist die einer Startfinanzierung und ‑beratung erfolgsversprechender Projekte, die sich dann mit unserer Hilfe und evtl. der Hilfe anderer Organisationen zu Modellprojekten weiterentwickeln können. Eine umfassendere Versorgung in einem Land streben wir nicht an, wohl aber zu zeigen, dass grundsätzliche Verbesserungen möglich sind.
Dr. Michael Huppertz, 1. Vorstand MCF, (für den Vorstand), Oktober 2024
Im März/April dieses Jahres ist wieder ein Teil des Vorstandes der Mindful Change Foundation, Michael Huppertz und Mania Kroll, in die Elfenbeinküste gereist um sich vor Ort einen Eindruck über das Fortschreiten der von uns unterstützten Projekte zu machen, uns mit den lokalen Partner:innen auszutauschen und gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.
Am 22. November 2023 veröffentlichte der ivorische Privatfernsehsender NCI eine Reportage über das CAMPPSY-Projekt mit dem Titel “Camps de prière: le combat des professionnels de la santé” und veröffentlichte sie auf dem offiziellen NCI YouTube-Kanal.
Wir möchten Ihnen zum Jahresende 2023 kurz über den Stand der Arbeit der Mindful Change Foundation berichten.
Wir freuen uns, dass wir auch dank Ihrer Hilfe unsere Arbeit für die Menschen mit schweren psychischen und epileptischen Erkrankungen in der Elfenbeinküste und Burkina Faso fortsetzen konnten.
Einen umfassenden Bericht über unsere vergangene Planung für 2023 und einen Rückblick auf das vorige Jahr 2022 finden Sie auf der Startseite.
Am 10. Oktober hat die WHO einen Bericht über die Untersuchung von 2021 und das Camppsy-Projekt in der Elfenbeinküste veröffentlicht, das von den Schmitz-Stiftungen aus dem EZ-Kleinprojektefonds und uns finanziert und mitgeplant wurde. Diese Veröffentlichung ist ein wichtiger Schritt, um die Situation der Patient:innen in den Prayer Camps international bekannt zu machen und zu zeigen wie sie verbessert werden kann.