Pro­jek­te

Elfen­bein­küs­te

In der Umge­bung von Bouaké, der zweit­gröss­ten Stadt der Elfen­bein­küs­te, unter­stüt­zen wir das Pro­jekt SAMENTACOM (https://samentacom-ci.org), in Zusam­men­ar­beit mit der dor­ti­gen Uni­ver­si­tät und dem Natio­na­len Pro­gramm für Psych­ia­trie.  Es wird von einem enga­gier­ten Psych­ia­trie­pro­fes­sor, Prof. Koua, gelei­tet und hat zum Ziel, in den umlie­gen­den länd­li­chen Regio­nen ein Ver­sor­gungs­netz für Men­schen mit psy­chi­schen und epi­lep­ti­schen Erkran­kun­gen sowie psy­cho­so­zia­len  Behin­de­run­gen auf­zu­bau­en.  Zen­tral für das Kon­zept ist die ambu­lan­te und auf­su­chen­de gemein­de­psych­ia­tri­sche Arbeit in Koope­ra­ti­on mit den bereits exis­tie­ren­den Gesund­heits­sta­tio­nen, die an vor­ders­ter Front ste­hen, bis­her aber für die Behand­lung die­ser Pati­en­ten­grup­pe nicht gerüs­tet sind. Des­halb wer­den Kran­ken­schwes­tern und – pfle­ger und ande­re Hel­fer in den Gesund­heits­sta­tio­nen auf dem Land aus­ge­bil­det und zur Dia­gnos­tik und Behand­lung die­ser Krank­hei­ten befä­higt. 

Mit­ar­bei­ter der Gesund­heits­pos­ten, die den Kon­takt zwi­schen den Gesund­heits­zen­tren und den Dör­fern ver­mit­teln (Agents de San­té), selbst aber nur über eine gerin­ge Aus­bil­dung ver­fü­gen -, sol­len aus­ge­bil­det wer­den, Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen und Epi­lep­sie in den Dör­fern auf­zu­su­chen, ihnen eine Behand­lung anzu­bie­ten und sie auch wei­ter­hin zu beglei­ten. Dar­über hin­aus ist die Infor­ma­ti­on und Bera­tung von Ange­hö­ri­gen und Dorf­ge­mein­schaf­ten wich­tig, um eine ande­re Sicht­wei­se die­ser Krank­hei­ten zu ermög­li­chen und die Inte­gra­ti­on der Kran­ken in ihr gewohn­tes sozia­les Umfeld zu för­dern. Auch Selbst­hil­fe­grup­pen wer­den im Rah­men die­ses Pro­jekts initi­iert und unter­stützt. Auf die­se Wei­se sol­len bis Ende des Jah­res 2019 1000 Pati­en­ten ambu­lan­te Hil­fe bekom­men. 

Das Pro­jekt SAMENTACOM soll schritt­wei­se auf die gan­ze Elfen­bein­küs­te aus­ge­dehnt wer­den, was sicher vie­le Jah­re in Anspruch neh­men wird. Des­halb bestehen regel­mä­ßi­ge Kon­tak­te zu den loka­len und regio­na­len Gesund­heits­be­hör­den sowie dem natio­na­len Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um, die auch über den Fort­gang des Pro­jekts infor­miert wer­den. Wir möch­ten zum Einen zei­gen, dass psych­ia­tri­sche Hil­fe auch mit begrenz­ten Mit­teln mög­lich ist, zum Andern ver­su­chen, den ivo­ri­schen Staat auf sei­ne Ver­ant­wor­tung für die geis­ti­ge Gesund­heit und die Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te hin­zu­wei­sen. 

Zur Vor­be­rei­tung die­ses Pro­jekts waren Mit­glie­der von MCF schon 2018 vor Ort in Bouaké und den umlie­gen­den länd­li­chen Regio­nen und haben die Not der Kran­ken dort gese­hen, die iso­liert in den Dorf­ge­mein­schaf­ten, aber auch oft außer­halb in soge­nann­ten Camps de Priè­re (CdP) leben. Bei den CdP han­delt es sich um Dör­fer mit reli­giö­sem Ange­bot, die in der Regel gegen Bezah­lung psy­chisch und epi­lep­tisch erkrank­te Men­schen auf­neh­men, zumeist über lan­ge Zeit, dies auch gegen den Wil­len der Betrof­fe­nen auf Wunsch von deren Ange­hö­ri­gen. Psy­chi­sche Erkran­kun­gen und Epi­lep­sie wer­den hier reli­gi­ös gedeu­tet als Beses­sen­heit durch böse Geis­ter, und so besteht die Behand­lung in Beten und teil­wei­se auch in Tor­tu­ren, denen die Kran­ken unter­wor­fen wer­den, um die bösen Geis­ter aus ihnen aus­zu­trei­ben. Damit die Pati­en­ten nicht weg­lau­fen oder Scha­den anrich­ten, wer­den sie oft unter frei­em Him­mel an Bäu­me ange­ket­tet, nicht sel­ten über Jah­re hin­weg. Der Weg der Pati­en­ten führt in der Regel über Hei­ler, die tra­di­tio­nel­le Medi­zin prak­ti­zie­ren, in die Gebets­camps, die mehr­heit­lich evan­ge­li­kal aus­ge­rich­tet sind, wobei tra­di­tio­nel­le reli­giö­se Ele­men­te eine mehr oder weni­ger gro­ße Rol­le spie­len. In Anbe­tracht der Hilf­lo­sig­keit vie­ler Ange­hö­ri­ger im Umgang mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen erscheint die Unter­brin­gung der Kran­ken in Gebets­camps ihnen häu­fig als die ein­zig mög­li­che Lösung. Den Camps de Priè­re kommt daher eine zen­tra­le Bedeu­tung zu, und die Ent­wick­lung einer kon­struk­ti­ven Zusam­men­ar­beit mit ihnen ist eine Chan­ce für den Auf­bau einer psych­ia­tri­schen Ver­sor­gung in West­afri­ka. Wir sind über­zeugt, dass der Geis­ter­glau­be und die Aus­gren­zung der psy­chisch kran­ken Men­schen in dem Maße rück­läu­fig sein wird, wie gute Hil­fe erkenn­bar und erfahr­bar wird.

In einer Pilot­stu­die wur­den ins­ge­samt 71 Camps de Priè­re in der Gegend rund um Bouaké erfasst, 40 von ihnen unter­sucht. Dar­über wur­de eine Doku­men­ta­ti­on erstellt. In einem wei­te­ren Schritt sol­len alle Camps de Priè­re in der Elfen­bein­küs­te erfasst und selek­tiv unter­sucht wer­den.

Das Pro­jekt arbei­tet mit der natio­na­len Phar­ma­zie­be­hör­de zusam­men, um die Belie­fe­rung der Zen­tren mit Medi­ka­men­ten auf­zu­bau­en.

Inzwi­schen haben wir das Pro­jekt erneut besucht (sie­he Rei­se­be­richt). SAMENTACOM  hat sei­ne Arbeit seit einem Jahr auf­ge­nom­men, die Mit­ar­bei­ter sind enga­giert, ers­te posi­ti­ve Erfah­run­gen und Ergeb­nis­se lie­gen vor. Zu dem aktu­el­len Stand der Din­ge (April 2019) und den wei­te­ren Pla­nun­gen lesen Sie bit­te eben­falls den Rei­se­be­richt auf die­ser Home­page.

Bur­ki­na Faso

In ganz West­afri­ka (und nicht nur dort) wer­den psy­chisch kran­ke Men­schen aus­ge­grenzt und weg­ge­sperrt. Auch in Bur­ki­na Faso geschieht das täg­lich. Der Pfar­rer und Musi­ker Tank­pa­ri Guitan­ga hat lan­ge dem Elend zuge­schaut und sich dann ent­schie­den, selbst zu hel­fen. Er grün­de­te im Mai 2015 die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Yen­faa­bi­ma e.V., und begann sei­ne Arbeit in einem klei­nen ange­mie­te­ten Haus in der Gemein­de Pié­la im Osten von Bur­ki­na Faso. 

Anfangs kamen 40 Per­so­nen zur monat­li­chen psych­ia­tri­schen Sprech­stun­de, doch das Ange­bot des Zen­trums sprach sich schnell her­um und wur­de über das Radio wei­ter ver­brei­tet. Längst sind es meh­re­re hun­dert psy­chisch Kran­ke, die jeden Monat oft von weit her den Weg nach Pié­la fin­den und dort behan­delt wer­den. Die behan­deln­den Pfle­ger, die die monat­li­chen mehr­tä­gi­gen Sprech­stun­den durch­führ­ten, sind bis­lang aus der Haupt­stadt Ouag­adou­gou sowie aus dem 360 Kilo­me­ter ent­fern­ten Ort Oua­hi­gu­ya ange­reist. Einer der  Kran­ken­pfle­ger – Timo­thée Tinda­no — bekam mit unse­rer finan­zi­el­len Unter­stüt­zung das Ange­bot,  direkt in Pie­la zu arbei­ten, so dass er nicht mehr die vie­len Kilo­me­ter anrei­sen muss. Er hat die­ses Ange­bot ger­ne ange­nom­men und wird einen Teil sei­ner Arbeit dar­auf ver­wen­den, die umlie­gen­den Gesund­heits­zen­tren zu kon­tak­tie­ren und die dor­ti­gen Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen und Agents de San­té aus­zu­bil­den. Er soll auch die ört­li­chen Auto­ri­tä­ten über die Situa­ti­on psy­chisch kran­ker Men­schen infor­mie­ren, die Camps de Prie­re auf­su­chen und sie zur Zusam­men­ar­beit moti­vie­ren.